31. Oktober 2024 – In Berlin werden alte Allianzen gepflegt: Auf Betreiben des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) und willfährig unterstützt von der Bezirksbürgermeisterin von Mitte, Stefanie Remmlinger (Grüne), soll die Friedensstatue „Ari“ aus dem öffentlichen Raum entfernt und bestenfalls auf ein Privatgrundstück verbannt werden. Das Denkmal erinnert an die Hunderttausenden Zwangsprostituierten, die insbesondere im Zweiten Weltkrieg von der kaiserlichen Armee des japanischen Imperialismus vergewaltigt und in vielen Fällen ermordet wurden. (Näheres dazu im nachfolgend übersetzten Artikel.)
Zur gleichen Zeit brachte der deutsche Imperialismus, der mit Japan verbündet war, einen Großteil Europas unter den eisernen Stiefel des deutschen Faschismus. Dies gipfelte in der Ermordung von 6 Millionen Juden, Hunderttausenden Sinti und Roma und anderer, zuerst Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, sowie Homosexuelle und andere, die für die Nazis nicht verdienten, zu leben.
Heute nimmt der deutsche Imperialismus, unter „demokratischer“ Regierung, die Verbrechen der Nazis mit unfassbarem Zynismus als Rechtfertigung, „bedingungslose Solidarität“ mit dem kapitalistischen Staat Israel zu üben und diesen weiter zu bewaffnen, während er einen Völkermord an den Palästinensern durchführt. Die Regierenden in Berlin, die Hand in Hand mit der japanischen Regierung die vergangenen Verbrechen gegen Hunderttausende Frauen vertuschen wollen, sind die gleichen, die ihre Bullen auf Demonstrierende hetzen, die gegen die heutige massenhafte Ermordung und Vertreibung der Palästinenser protestieren.
Die besondere Unterdrückung von Frauen ist eine wesentliche Grundlage des Kapitalismus. Auch im Krieg werden Frauen besonders hart getroffen. Sexuelle Gewalt vor allem gegen Frauen ist dabei ein Teil und Folge der Gewalt der herrschenden Ausbeuterklassen. Weil Frauenunterdrückung, beginnend in der bürgerlichen Institution der Familie, ein Fundament des Kapitalismus ist, kann sie trotz aller zeitweilig erkämpfter Verbesserungen nur durch den Sturz des Kapitalismus endgültig beseitigt werden.1
Die Friedensstatue „Ari“ war den herrschenden kapitalistischen Politikern in Japan wie Deutschland ein Dorn im Auge, seit sie 2020 errichtet wurde. Zu der Zeit wurde Berlin von einem SPD/Linkspartei/Grüne-Senat regiert, und Remmlingers grüner Vorgänger wollte „Ari“ auch schon weg haben. Der Korea-Verband und viele Einzelpersonen, nicht zuletzt aus der direkten Nachbarschaft, haben über die Jahre immer wieder für den Erhalt des Mahnmals gekämpft. Gegen den angeordneten Abbau der Statue hat der Korea-Verband rechtliche Schritte eingeleitet und bittet um Spenden für die damit verbundenen Kosten. Am 1. November soll eine 24-Stunden-Mahnwache bei „Ari“ stattfinden.
Während SPD, Grüne, Linkspartei und nun die CDU in den unterschiedlichen Ebenen die Regierungen stellten, die den Fortbestand der Statue untergruben, haben bis auf CDU und AfD alle in der Bezirksverordnetenversammlung mehrfach Beschlüsse für den Erhalt der Statue gefasst – wohl wissend, dass diese für die jeweilige Regierung nicht bindend sind – und sich gerne als „Freunde“ dieses populären Anliegens präsentiert. Was den Protesten fehlt, ist wirkliche soziale Macht, die es mit dem kapitalistischen Staat aufnehmen kann. Ein wichtiger Ansatz dafür könnte sein, dass der DGB Berlin-Brandenburg Ende August gemeinsam mit zwei koranischen Gewerkschaftsverbänden (FKTU und KCTU) den Erhalt der Statue gefordert hat.2 Die Arbeiterklasse, aus der die Kapitalisten all ihren Reichtum saugen, hat das einzigartige Potenzial, sie und ihre Regierungen dort zu treffen, wo es ihnen weh tut: beim Profit. Bei der Japan-Reise von Bürgermeister Wegner im Mai, nach der er die Beseitigung von Ari forcierte, waren mögliche Investitionen des Autokonzerns Mitsubishi in Tegel ein zentrales Thema.
Gewerkschaftsaktionen in Solidarität mit dem Gedenken an die „Trostfrauen“ könnten einen deutlichen Unterschied machen, und auch das Bewusstsein für den Kampf gegen Frauenunterdrückung unter den Arbeitenden schärfen. Der DGB Berlin-Brandenburg hat derlei mit seiner Erklärung allerdings nicht im Sinn. Stattdessen wird „Enttäuschung“ über das Regierungshandeln geäußert, weil es angeblich „jahrzehntelangen Bemühungen der deutschen Regierung um historische Gerechtigkeit“ widerspricht. Was für eine Beschönigung des deutschen Imperialismus! Sind damit etwa die „Bemühungen“ für die Millionen Zwangsarbeiter des Dritten Reichs gemeint, die jahrzehntelang von dessen Rechtsnachfolger BRD überhaupt keine Entschädigung zu sehen bekamen, und dann erst nach dem Jahr 2000 lächerliche Summen erhielten (falls sie noch lebten und ihren Anspruch nachweisen konnten)? Oder die „Bemühungen“ um die Herero und Nama, die 1904–1908 zu Zehntausenden dem Völkermord durch das Zweite Deutsche Reich zum Opfer fielen – was erst 2015 erstmals vom heutigen deutschen Staat überhaupt eingeräumt wurde? Auch die Palästinenser merken jeden Tag, wenn sie von der auch aus Deutschland bewaffneten israelischen Armee massakriert werden, was es mit den „Bemühungen der deutschen Regierung um historische Gerechtigkeit“ auf sich hat.
Die aktuelle Führung der Gewerkschaften, die mit den bürgerlichen Arbeiterparteien SPD und Linkspartei verbunden ist, betätigt sich als Vermittler des grundlegenden Widerspruchs zwischen Kapitalisten und Arbeitern. Diese Politik der Klassenzusammenarbeit lähmt die Kampfkraft der Arbeiter. Stattdessen ist eine klassenkämpferische Gewerkschaftsführung und eine revolutionäre Partei nötig, damit die Arbeiter für ihre eigenen Interessen und die aller Unterdrückten, gegen die Kapitalisten und ihren Staat, kämpfen können.
Der nachfolgende Artikel ist übersetzt aus Women and Revolution, Nr. 41, Sommer/Herbst 1992, damals Journal der Frauenkommission der Spartacist League/U.S.
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„Die Staatsmacht benutzte die Polizei, um hilflose Frauen aus den japanischen Kolonialgebieten zu verschleppen und sie auf das Schlachtfeld zu verschiffen, wo sie ein bis zwei Jahre lang als Gefangene festgehalten und gruppenvergewaltigt wurden, bevor sie von der sich zurückziehenden japanischen Armee im Stich gelassen wurden.
Von den Koreanern, für deren Versklavung ich verantwortlich war, sind meiner Meinung nach die Hälfte der Männer und alle [950] Frauen gestorben.“3
TOKIO – Im Dezember 1991 traten drei koreanische Frauen, Kim Hak Soon, Sim Mi Ja und Hwang Kum Ju, mutig vor und erzählten die Geschichte ihres Albtraums, als „ianfu“ („Trostfrauen“) für die japanische kaiserliche Armee versklavt worden zu sein. Schätzungsweise 100000 bis 200000 Opfer wurden während des Pazifikkrieges unter Androhung des Todes zur sexuellen Sklaverei gezwungen, während die japanischen Imperialisten mit ihren US-amerikanischen Gegenspielern um die Vorherrschaft in Asien und im Pazifikraum wetteiferten. Während Frauen in ganz Asien zusammengetrieben wurden, waren über 80 Prozent der „ianfu“ Koreanerinnen, die schon lange dem abscheulichen Fanatismus und dem Chauvinismus Japans ausgesetzt waren. Das wahre Ausmaß der Versklavung der „ianfu“ durch die kaiserliche Armee wird vielleicht nie bekannt werden, da das Militär – das die Anzahl der transportierten Pferde, Hunde und sogar Tauben akribisch aufzeichnete – die „Trostfrauen“ vertuschte, indem es sie als „Militärgüter“ oder Munition einstufte.
Die Enthüllungen lösten einen internationalen Aufschrei aus. Unterschiedliche Stimmen aus Gebieten, die während des Pazifikkrieges vom japanischen Imperialismus besetzt waren – von Vertretern der repressiven Regierung Taiwans bis hin zu philippinischen Linken – forderten Tokio auf, Entschädigungen zu zahlen, während die westlichen Medien die Geschichte nutzten, um auf billige Art und Weise gegen Japan zu hetzen. Die japanische Bourgeoisie versuchte erfolglos, die Geschichte mit verschiedenen Maßnahmen zur Schadensbegrenzung zu vertuschen, aber die Verbrechen der brutalen, rassistischen und männlich-chauvinistischen kaiserlichen Armee waren zu weit verbreitet, um vertuscht zu werden.
Die frauenhassenden Fanatiker am Regierungssitz Nagatacho, die die Arbeiter Asiens wieder in einer neuen „Großostasiatischen Wohlstandssphäre“ versklaven wollen, hatten gehofft, diesen „unglücklichen Vorfall“ ignorieren zu können. Zunächst versuchten sie, die Gräueltaten zu rechtfertigen, indem sie behaupteten, die „ianjo“ (die schmutzigen Baracken, die als „Trosthäuser“ genutzt und von den Soldaten als „öffentliche Toiletten“ bezeichnet wurden) seien von Privatunternehmern betrieben worden, wodurch die Regierung von der Verantwortung befreit würde. Diese dreiste Lüge wurde im Januar aufgedeckt, als Yoshiaki Yoshimi, Professor für Geschichte an der Chūō-Universität, in den Archiven der Bibliothek der „Selbstverteidigungsstreitkräfte“ vergrabene Dokumente entdeckte, die die Regierung und das Militär direkt mit der Einrichtung und Aufrechterhaltung des Systems der „Trostfrauen“ in Verbindung bringen. Yoshimi ist auch ein Experte für die berüchtigte Einheit 731, die geheime Abteilung der kaiserlichen Armee, die an koreanischen, chinesischen und russischen Gefangenen Nazi-ähnliche Experimente zur chemischen und biologischen Kriegsführung durchführte.
Innerhalb weniger Wochen wurden weitere Dokumente veröffentlicht, darunter ein Telegramm eines japanischen Befehlshabers in Taiwan an den damaligen Kriegsminister General Tōjō Hideki, in dem dieser um die Erlaubnis bat, „Bordelle“ in Borneo einzurichten. Diese Materialien enthalten detaillierte Armeevorschriften zur Entführung von Frauen und zum „ianfu“-Personal, zu Standorten, Preisen, Hygiene und Planungsprioritäten für verschiedene Einheiten und Dienstgrade. Jüngsten Berichten zufolge begann die japanische Regierung 1937, nach Beginn des Japanisch-Chinesischen Krieges, koreanische Frauen als „Trostfrauen“ zu rekrutieren. In seinem 1973 erschienenen Buch Jūgun-ianfu [zu Deutsch etwa: Dem Militär zugehörige Trostfrauen – E&P] (kürzlich neu aufgelegt) schreibt Kakō Senda jedoch, dass die „ianfu“ ihren Ursprung im Russisch-Japanischen Krieg von 1905 haben, als das Militär Ärzte beauftragte, ein Programm zum Schutz der Soldaten vor Geschlechtskrankheiten zu entwickeln. Und die Korea Times behauptet, dass die Entführungen bereits in den 1920er Jahren begannen. Aus dieser Zeit stammt auch die Geschichte von der „Selbstmordklippe“ in Hakodate, Hokkaido, die nach den koreanischen Frauen benannt ist, die sich dort das Leben nahmen, nachdem sie gewaltsam in militärische Versorgungsbetriebe verschleppt worden waren.
Als die japanische kaiserliche Armee durch Asien vorrückte, entstanden „ianjo“ von Okinawa und Fukuoka bis Nagano und an den Frontlinien, die sich von den Philippinen bis nach Neuguinea, Indonesien und China erstreckten. Viele Frauen wurden „rekrutiert“, angeblich um den Soldaten an der Front „Trost“ zu spenden, indem sie Verwundete besuchen und Verbände wechseln. Anderen wurde gesagt, sie würden in japanischen Fabriken beschäftigt werden; wieder andere dachten, sie würden an der Thailand-Burma-Eisenbahn arbeiten – und das alles für hohe Löhne, die sie an ihre verarmten Familien schicken könnten. Die Mehrheit wurde bei „Jungfrauenjagden“ von Organisationen wie der Gesellschaft für den Vaterländischen Arbeitsdienst brutal gefangen genommen und an das Militär übergeben. Roh Chung Ja, die sechs Jahre lang als „Trostfrau“ versklavt war, erzählte ihre Geschichte:
„Ich war 17 und es gab damals eine große Jagd auf Jungfrauen. Meine Großmutter sagte mir, ich solle mich tief in den Bergen verstecken. Ich war in einer Höhle, als die japanischen Militärpolizisten mich verhafteten. Sie brachten uns mit dem Zug durch ganz China. Wir waren irgendwo in der Nähe der Front. Zuerst gehorchte ich nicht, was man mir sagte. Ich wurde geschlagen und Blut kam aus meinem Mund. Danach wurde ich gezwungen und tat, was man mir sagte.“4
Unverheiratete koreanische Frauen im Alter von 17 bis 20 Jahren wurden zunächst durch Täuschung und Einschüchterung eingezogen, aber am Ende des Krieges wurden Frauen und Mädchen unabhängig von ihrem Familienstand oder Alter eingezogen. Einige waren erst 11 oder 12 Jahre alt.
Der „ianjo“-Sklavenhalter erhielt 50 bis 60 Prozent des Bruttoeinkommens der Frau und der restliche Teil wurde für den Kauf von mottenzerfressenem, verfaultem Reis oder Kleidung verwendet oder als „Rücklage“ angelegt. Soldaten und zivile Angestellte der Armee wurden je nach Einheit und Rang in Abständen von 20 bis 30 Minuten oder 30 bis 40 Minuten durchgeschleust. Offizieren wurde mehr Zeit zugestanden, sie hatten die Freiheit, jede Nacht zu gehen, und an bestimmten Orten wie Taiwan hatten sie das „Privileg“, von japanischen statt von koreanischen Frauen bedient zu werden. Die Gebühren richteten sich nach der Nationalität: ein Yen für eine chinesische Frau, eineinhalb Yen für eine koreanische Frau und zwei Yen für eine japanische Frau. An einem durchschnittlichen Wochentag wurde eine Frau 20 bis 30 Mal vergewaltigt, „bis sie den Verstand verlor“, während sich die Zahl am Wochenende verdoppelte. Einmal pro Woche mussten sie sich auf Geschlechtskrankheiten untersuchen lassen. Diejenigen, die als „krank“ diagnostiziert wurden, wurden entweder sofort getötet oder ohne Nahrung ausgestoßen – praktisch ein Todesurteil. Hwang sagte: „Ich hatte in meinem Leben viele Fehlgeburten, weil ich viele Male Injektionen zur Behandlung von Syphilis erhalten habe. Viele ‚Trostfrauen‘, die krank waren, wurden von japanischen Soldaten getötet, die dachten, dass solche Frauen die Soldaten nicht mehr befriedigen könnten.“ Den taiwanesischen Frauen wurde das Kanji-Zeichen für „Trost“ auf den Arm tätowiert. In Thailand waren die einzigen freien Tage jene, an denen die Frau ihre Menstruation hatte. An diesen Tagen wurde eine Hinomaru (Flagge mit aufgehender Sonne) außen an ihrer Tür angebracht. Frauen, die bei einem Fluchtversuch erwischt wurden, wurden geschlagen. Zusätzlich zu den grausamen offiziellen Strafen weiß niemand, wie viele Frauen von sadistischen einzelnen Soldaten gefoltert und ermordet wurden.
Als das Militär begann, Schlachten zu verlieren und sich zurückzuziehen, sandte der stellvertretende japanische Innenminister einen Geheimbefehl, in dem er die örtlichen Verwaltungseinheiten aufforderte, alle Dokumente im Zusammenhang mit Joshi Teishintai („Freiwilligenkorps für Frauen“) zu verbrennen. Ein Großteil der lebenden menschlichen „Beweise“ wurde wahrscheinlich zusammen mit den Dokumenten beseitigt. Überlebende „ianfu“ wurden entweder den vorrückenden US-amerikanischen Streitkräften übergeben, mit einem Schicksal, das noch nicht öffentlich gemacht wurde, oder sie wurden mittellos zurückgelassen. Diejenigen, die es in ihr Heimatland zurückgeschafft hatten, waren stigmatisiert und kehrten fast nie zu ihren Familien zurück. Sie haben ihr Leben in Isolation und Armut verbracht.
Die Geschichte der „ianfu“ unterstreicht den tiefen Hass der japanischen Bourgeoisie auf Frauen sowie nationale und ethnische Minderheiten. Die Tatsache, dass 80 Prozent der „ianfu“ Koreaner waren, ist auf die japanische Besetzung von 1910 bis 1945 zurückzuführen, die sich an der russischen zaristischen Kolonisierung Polens orientierte. Die koreanische Halbinsel diente als ein „logistischer Vorposten“, der natürliche Ressourcen und Arbeitskräfte für die imperialistische Expansion Japans auf dem asiatischen Festland bereitstellen sollte. Zu diesem Zweck mussten Koreaner „assimiliert“ werden; der Unterricht in koreanischer Geschichte, Kultur und Sprache wurde durch japanische Geschichte, Kultur und Sprache ersetzt. Zunächst wurden alle politischen Organisationen und Versammlungen verboten, Zeitungen in koreanischem Besitz wurden zwangsweise aufgekauft und alle Waffen wurden beschlagnahmt. Der gesamte Unterricht war auf „kokutai meicho“ (Nationalwesen oder nationale Ordnung) und Loyalität gegenüber dem japanischen Kaiser ausgerichtet. Nach Beginn des Pazifikkrieges wurde eine allgemeine Wehrpflicht eingeführt und bis Juli 1944 wurden schätzungsweise 242000 Koreaner gewaltsam an der japanischen Front verteilt, um als Kugelfänger, Arbeiter und Gefängniswärter eingesetzt zu werden. Einige wurden später als „Kriegsverbrecher“ nach der von den Alliierten auferlegten „Siegerjustiz“ verurteilt und ins Gefängnis gesteckt oder gehängt.
Bis 1910 bestand die koreanische Gemeinschaft in Japan hauptsächlich aus Studierenden und Konsularbeamten, da Arbeitsgesetze (wie die heute geltenden) die Einreise ungelernter Arbeitskräfte untersagten. Mit der Annexion galten die Einwanderungsgesetze nicht mehr für Koreaner und viele wanderten aus, um in „3-K“-Berufen (schmutzig, schwierig und gefährlich) wie in der Textilindustrie und im Bergbau zu arbeiten. Bergbauarbeiten waren zuvor Gefangenen und Burakumin (Nachkommen von Ausgestoßenen aus der Feudalzeit) vorbehalten gewesen. In einem offiziellen Bericht hieß es: „Ihre ersten Gefühle bei der Ankunft in Japan lassen sich wahrscheinlich am besten mit dem Satz ausdrücken: ‚Es klang wie das Paradies, aber als ich es sah, war es die Hölle.‘“ Bis 1923 waren mehr als 90000 Koreaner in Japan, wo sie systematisch und brutal diskriminiert wurden und unter überfüllten, unhygienischen Bedingungen lebten, die denen der frühen feudalen Nara-Zeit (910–944) ähnelten. Nach dem Großen Kantō-Erdbeben von 1923 führte rechte Hysterie dazu, dass bis zu 6000 Koreaner von Polizei, Militär und rassistischen Jikeidan (Bürgerwehren) massakriert wurden.
Die Zahl der Koreaner in Japan stieg zwischen 1939 und 1945, als sie als Zwangsarbeiter von Sachalin (damals japanisches Territorium) nach Kyushu verschleppt wurden. Selbst die konservativsten Quellen beziffern die Zahl der Zwangsrekrutierten auf fast eine Million, während andere Quellen von zwei Millionen sprechen. Bis 1944 waren schätzungsweise 32 Prozent aller Bergleute in Japan Koreaner, die in Konzentrationslagern versklavt wurden und nur wenig zu essen und einen Hungerlohn bekamen. Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, wie viele Koreaner bei Arbeitsunfällen getötet oder verstümmelt wurden, verhungerten, bei Fluchtversuchen erschossen wurden oder bei dem Atombombenabwurf auf Hiroshima durch die rachsüchtigen US-Imperialisten verbrannten.
Die überlebenden „Trostfrauen“ aus Südkorea fordern von der japanischen Regierung eine „aufrichtige Entschuldigung“, öffentliche Informationen zu allen Aspekten des Problems der „Trostfrauen“, eine Entschädigung (derzeit 20 Millionen Yen pro Person, etwa 160000 US-Dollar) für die Opfer und ihre Familien, die Aufnahme der „Trostfrauen“ in Schulbücher und die Errichtung eines Denkmals für die Opfer. In seiner Ansprache vor der Nationalversammlung in Seoul im Januar äußerte Premierminister Kiichi Miyazawa einige heuchlerische Worte des Mitgefühls für die Opfer der imperialistischen Aggression Japans in Korea. Im Juli gab die Regierung schließlich dem Druck nach und gab zu, das „ianfu“-System eingerichtet und betrieben zu haben, aber sie hält an ihrer Behauptung fest, dass die Frage der Entschädigung mit dem Vertrag von San Francisco von 1965 geregelt wurde, in dem Seoul sich bereit erklärte, eine Entschädigung für individuelle persönliche Verluste in Form von Entwicklungshilfe zu akzeptieren.
Die Grausamkeiten, die die „ianfu“ erlitten haben, waren nicht einfach nur imperialistische „Exzesse“, und keine Entschädigung kann diese Verbrechen wiedergutmachen. Nichts wird, wie Hwang sagte, „mir meine Jugend zurückgeben“. Die rassistische Verachtung gegenüber den Rechten „unserer kleinen Brüder“ (und Schwestern) in den weniger entwickelten Ländern Asiens war ein wesentliches Merkmal der Kriegspolitik Japans. Ein Denkmal für die geschundenen „ianfu“ wird kaum das Licht der Welt erblicken, solange die herrschende Klasse an der Macht bleibt, die Nanking vergewaltigte,5 Korea besetzte und auch ihrem eigenen Volk die Schrecken des imperialistischen Krieges zufügte. Jahrelang wurde die Errichtung eines Denkmals für die koreanischen Opfer des Atombombenabwurfs auf Hiroshima im „offiziellen“ Friedenspark abgelehnt und es wird regelmäßig von faschistischen Rechten geschändet. Wir sagen, die lebenden Täter der Verbrechen gegen die „ianfu“ sollten vor ein Tribunal gestellt werden, das sich aus ihren Opfern zusammensetzt!
Da immer mehr Informationen über die „ianfu“, Zwangsarbeiter und Opfer der Einheit 731 ans Licht kommen, haben rechte Nationalisten ihre eigene Propagandakampagne gestartet, um ihre imperialistischen Herren reinzuwaschen und dem wiederauflebenden japanischen Militarismus ein neues Gesicht zu geben. Ein Versuch der Stadtverwaltung der Präfektur Kanagawa im April dieses Jahres, einen Forscher einzustellen, der Informationen über die „ianfu“ und koreanische Zwangsarbeiter sammeln sollte, stieß auf heftigen Widerstand rassistischer Abgeordneter. Diese Chauvinisten hatten die Frechheit zu behaupten: „Unter der ewigen Herrschaft des Kaisers wurden Koreaner genauso behandelt wie Japaner, sodass solche Anschuldigungen haltlos sind.“ In der Weekly Post vom 29. Februar 1992 behauptete die rechte Kritikerin Fuyuko Kamisaka: „Die Menschen von der koreanischen Halbinsel waren damals auch Japaner, daher kann man nicht sagen, dass es sich bei der ‚ianfu‘-Frage um rassistische Diskriminierung aufgrund der Nationalität handelt.“
Was für Lügen! Sogar heute noch werden Koreanern, deren Vorfahren bis ins Jahr 1910 zurückreichen, die grundlegenden Bürgerrechte verweigert – das Recht zu wählen, für ein öffentliches Amt zu kandidieren, Staatsbürger zu werden, ohne ihren Namen ändern oder ihre Herkunft verleugnen zu müssen. Miyazawas Regierung behauptet, sie liberalisiere ihre Behandlung der Koreaner; im Januar 1993 tritt ein Gesetz in Kraft, das die obligatorische Erfassung von Fingerabdrücken von nicht-japanischen Einwohnern mit ständigem Wohnsitz in Japan aussetzt. Dieser grausame Schwindel schreibt vor, dass die Gaijin-Karte, die japanische Version des verhassten südafrikanischen Passes, weiterhin jederzeit mitgeführt werden muss, während eine Gefängnisstrafe von mindestens einem Jahr oder eine hohe Geldstrafe von bis zu 200000 Yen verhängt wird, wenn man sich weigert, die Karte zu unterschreiben. Eine ähnliche Strafe wird gegen diejenigen verhängt, die eine Adressänderung nicht innerhalb von zwei Wochen nach dem Umzug melden.
Die Verbindung zwischen der Unterdrückung von Frauen und Minderheiten ist in der Behandlung von eingewanderten Arbeitern hier leicht zu erkennen. Heutzutage kommen immer mehr junge Frauen – Japayuki-san („Fräulein Geh-nach-Japan“), hauptsächlich von den Philippinen und aus Thailand – nach Japan, um in den lukrativen Mizu-Shobai-Bars und Hostessenclubs in den Städten zu arbeiten. Diese Frauen, die in einem zwielichtigen japanischen Hostessenclub potenziell zehnmal so viel verdienen können wie in ihrer Heimat, sind leichte Beute für die Sexhändler der Yakuza. Die meisten werden als „Entertainerinnen“ angeworben und landen schließlich im Prostitutionsgewerbe der Yakuza, wo ihre Pässe konfisziert und ihre Löhne einbehalten werden. Sie werden in einem fremdenfeindlichen Land, das Ausländern, insbesondere nicht-kaukasischen Einwanderern aus Asien und Afrika, jegliche Bürgerrechte verweigert, in der Knechtschaft von „ianfu“ gehalten. Männliche Arbeiter aus Afrika, Asien und in jüngster Zeit auch aus Südamerika – darunter sogar Nikkeijin, ethnische Japaner, deren Familien nach Lateinamerika ausgewandert sind – werden in die schlechtesten und am niedrigsten bezahlten „3-K“-Jobs abgeschoben und in den Bereichen Wohnen, medizinische Versorgung und Sozialleistungen systematisch diskriminiert.
Die intensive Ausbeutung und Unterdrückung der Arbeiter in Japan erfordert einen militanten, multiethnischen Klassenkampf! Aber die Gewerkschaftsführer der „Japan AG“ sind eng mit dem System der kapitalistischen Ausbeutung verbandelt, das von rassistischer und chauvinistischer Ideologie und Praxis gestützt wird. Keiner der drei Gewerkschaftsverbände hat dafür gekämpft, das rassistische „Nur-Japaner“-Beschäftigungssystem in der Großindustrie zu brechen oder die nicht-japanischen Arbeiter in gemeinsamen Gewerkschaften mit Japanern zu organisieren. Auch haben die pseudolinken Gewerkschaftsführer keinen Finger gerührt, um das scheußliche Teilzeitarbeitssystem zu bekämpfen, das arbeitende Frauen effektiv von einer Vollzeitbeschäftigung und dem Schutz durch Gewerkschaften ausschließt.
Die japanische Linke, von den reformistischen Oppositionsparteien im Parlament bis zu den Resten der Neuen Linken, befasst sich selten mit Fragen der besonderen Unterdrückung. Hauptsächlich engstirnig, nationalistisch und chauvinistisch begnügen sich linke Parteien damit, den Protesten von Minderheiten oder Frauen hinterherzulaufen, wenn es ihnen in den Kram passt, aber sie versuchen nie, die Kämpfe der Unterdrückten mit einer Perspektive der sozialistischen Revolution in Japan zu verbinden. Während also die gesamte Linke, selbst der pro-imperialistische Tanabe-Flügel der Sozialdemokratischen Partei Japans, die Forderungen der „ianfu“ nach Entschädigung unterstützt, war diese bekundete Unterstützung ein Druckmittel gegen die Regierung der Liberaldemokratischen Partei bei dem schwachen Versuch, das kürzlich verabschiedete PKO-Gesetz („Peace Keeping Operations“6) zu blockieren, das den Einsatz japanischer Truppen im Ausland „genehmigt“.
Dass die Regierungen Südkoreas und Taiwans, die seit Jahrzehnten von der Existenz der „ianfu“ wissen, die „ianfu“-Forderungen unterstützen, hat nichts mit dem Leid zu tun, das diese Frauen ertragen haben, sondern allein mit der Angst vor einem wiederauflebenden und wiederbewaffneten japanischen Imperialismus. Auch die Regierung von Kim Il Sung7 schwieg bis zu den jüngsten Enthüllungen. Diese Stalinisten haben immer darauf bestanden, dass in Japan lebende Nordkoreaner sich nicht in die japanische Innenpolitik einmischen, sondern ihre Unterdrückung ergeben hinnehmen sollten, gemäß dem Prinzip der Chuch’e („Selbstständigkeit“, d. h. „friedliche Koexistenz“).
Revolutionäre Marxisten halten daran fest, dass Antiimperialismus im Ausland Klassenkampf im Inland bedeutet. Die Frage der Frauenunterdrückung und der Kampf zur Beendigung der ethnischen, Kasten- und nationalen Unterdrückung sind hier zentrale Bestandteile einer sozialistischen Revolution. Die politische und soziale Lage der Koreaner in Japan ist ein Gradmesser für diesen Kampf. Diese Verbindung wird von den Reformisten und den Resten der Neuen Linken konsequent ignoriert. In den ersten Nachkriegsjahren strebten die meisten Koreaner entweder aktiv die Rückkehr in ihr Heimatland an, aus dem sie auf barbarische Weise herausgerissen worden waren, oder kämpften darum, ihre nationale Identität unter den Hammerschlägen der japanischen Zwangsassimilierungsprogramme zu bewahren. Aber das ändert sich. Die jüngste Nachkriegsgeneration, die dritte, träumt nicht mehr davon, in den brutalen Polizeistaat südlich des 38. Breitengrads8 oder in die bizarre Kim-Il-Sung-Kultgesellschaft im Norden zurückzukehren. Sie beginnen, für ihre bürgerlichen, sozialen und politischen Rechte in ihrer wahren Heimat zu kämpfen – Japan! Ein Zeichen für diesen neuen, potenziell militanten Trend unter Koreanern der dritten Generation ist die Gründung der in Osaka ansässigen „Partei für das Wahlrecht ausländischer Einwohner“, Zainichi-to, die den Koreaner Lee Young Hwa bei den Oberhauswahlen im Juli für einen Sitz im Parlament aufstellt. Lee fasste die Einstellung kämpferischer junger Koreaner im heutigen Japan prägnant zusammen: „Ich habe keine Lust, nach Nordkorea zurückzukehren. Japanisch ist meine Muttersprache. Japan ist mein Heimatland. Ich kann nicht verstehen, warum ich hier nicht wählen darf.“ Und als er die Reaktion der Japaner auf die koreanischen Bestrebungen nach Staatsbürgerrechten einschätzte, sagte Lee aufschlussreich: „Die einfachen Leute scheinen mich zu unterstützen, aber die großen politischen Parteien, die Gewerkschaften, sogar die Linken, tun nichts.“9
Lenins Bolschewiki, die im russischen „Völkergefängnis“ kämpften, verstanden, dass sie ein Volkstribun sein mussten, nicht nur eine bloße russische Arbeiterpartei, um den Zaren und die russische Kapitalistenklasse zu stürzen. Die gleiche bolschewistische Auffassung vom „Volkstribun“ ist für jede erfolgreiche sozialistische Revolution in Japan von entscheidender Bedeutung. Die zahllosen Überreste der feudalen Vergangenheit Japans, die durch die Aufrechterhaltung des Tenno (des Kaisers) als Symbol konfuzianischer Unterwerfung unter hierarchische Ränge und Disziplin auf die heutige Gesellschaft aufgepfropft werden, müssen zentrale Angriffspunkte jeder proletarischen Revolution sein, die die Grundlage unseres Kampfes für eine Arbeiterrepublik bildet. Die Feststellung des koreanischen Aktivisten Lee, dass die „Linke“ nichts für die Rechte der Koreaner tut, ist größtenteils zutreffend. Die Spartacist Group Japan steht als Teil der Internationalen Kommunistischen Liga (Vierte Internationalisten) in scharfem Gegensatz zur engstirnigen und chauvinistischen japanischen Linken.10 Wir streben den Aufbau einer multinationalen und multiethnischen leninistischen Partei in Japan an, die offensiv Frauen, Arbeiter aus Minderheiten, Studierende und Aktivisten rekrutieren wird, die diese arrogante und rassistische herrschende Klasse stürzen wollen, die die unaussprechlichen Verbrechen an den „ianfu“ und zahllosen anderen Opfern des japanischen Imperialismus rächen und das kapitalistische System beenden wollen, das imperialistische Kriege hervorbringt. Für eine revolutionäre Arbeiterrepublik in Japan als Teil einer sozialistischen Welt!